
Das Usenet entwickelte sich lange vor dem Internet in den 80er Jahren als reines Nachrichten- und Diskussionsnetz. Es ist über das Internet zugänglich, stellt aber ein eigenes, unabhängiges Netzwerk dar. Als in den frühen 90er Jahren immer mehr Teilnehmer binäre Dateianhänge bereitstellten, wurde das Usenet zum Urahn aller Filesharing-Börsen. Wie groß das Datenvolumen im Usenet wirklich ist, weiß keiner genau – weit über 300 TB sind es allemal, da Provider wie Usenext aktuell ungefähr diese Datenmenge anbieten. Täglich kommen mit frischen Postings 500 GB bis 2 TB hinzu – auch hier schwanken die Schätzzahlen beträchtlich. Diese riesigen Volumen und die Größe der einzelnen Downloads haben dazu geführt, dass normale Internet-Provider schon aus Kapazitätsgründen keinen Zugriff auf die Binary-Gruppen anbieten.
Diese Aufgabe übernehmen spezielle, größtenteils kommerzielle Usenet-Provider. Die Angebote kosten rund 7 bis 20 Euro pro Monat (je nach Vertragslaufzeit und Download-Volumen). Die reinen Text-Newsgroups sind dagegen jedem Internet-Benutzer etwa via Mailprogramm oder Google (Groups) zugänglich.
Aktualität und Verfallsdaten: Dass die Binary-Newsgroups bei den ständigen Datenzuflüssen irgendwann explodieren, verhindern die Usenet- Provider dadurch, dass sie die Postings jeweils nur wenige Tage bereitstellen – maximal drei bis vier Monate. Nicht nur aufgrund dieser begrenzten Bereitstellungsfristen sind Newsgroups und eben auch Binary Newsgroups ein aktueller, sich ständig ändernder Daten-Pool: Die Newsgroup-Postings reagieren umgehend auf tagesaktuelle Ereignisse – neue Zeitschriften, neu erschienene Bücher, CDs, Software, Filme (Horrorfilme uvm.). Info-Junkies, die nichts versäumen wollen, werfen daher fast täglich einen Blick mindestens in ihre favorisierten Gruppen.
Suche nach Inhalten: Gab es früher eine einfache, hierarchische Struktur mit wenigen Hauptgruppen, so ist der Überblick bei geschätzten 200.000 Newsgroups längst verloren gegangen.
Die Mehrzahl ist schon vom Datenvolumen her unbedeutend oder aber eng regional oder thematisch spezialisiert. Die typischen Newsgroup-Giganten wie alt.binaries. nl oder alt.binaries.boneless bietet jeder Provider per Voreinstellung im Newsreader an. Im übrigen bleibt es dem Usenet-Nutzer überlassen, weitere interessante Gruppen aufzuspüren und manuell zu abonnieren. Eine hierarchische Ordnung besteht zwar immer noch, die Gruppennamen sind aber nicht immer aussagekräftig. Newsreader, die eine thematische Suche über alle Gruppen beherrschen, helfen, interessante Angebote ausfindig zu machen.
Anonymität und Werbefreiheit: Ein Vorteil des Usenets gegenüber Web- Tauschbörsen ist die größere Anonymität: Usenet-Provider garantieren, weder die IP-Adressen noch die Inhalte zu protokollieren, die ihre Nutzer downloaden.
Lediglich die Datenmenge wird wegen des Volumentarifs protokolliert. Usenet-Nutzer, die nur downloaden und nicht selbst posten, dürfen sich daher weitgehend anonym fühlen. Werbung ist im Usenet generell verboten. Die Usenet-Provider betonen zu Recht, dass der Anwender von Pop-ups, Bannern und Dialern komplett verschont bleibt. Verschwiegen wird hingegen, dass natürlich auch zunehmend mehr kommerzielle Dienste in Binary-Gruppen posten und die betreffenden Downloads erst durch eine Lizenz dieses Anbieter zu nutzen sind. Für Anwender, die darauf nicht eingehen wollen, sind diese Downloads dann wertlos.
Gesplittete Dateien und Newsreader: Binary-Newsserver akzeptieren nur Dateigrößen von 15 bis 50, selten 100 MB. Das zwingt die aktiven Usenet-Teilnehmer, große Postings entsprechend zu splitten. Technisch weniger versierte Download-Konsumenten sind mit dem Datensalat von NFOs (Info), RARs (Winrar-Archiv) und PARs (Paritätsdateien) oft überfordert. Hinzu kommen noch NZB-Dateien (Newzbin-Dateien), die die komplette Download-Liste für ein Archiv enthalten. In der Praxis reduzieren sich aber die technischen Hürden durch einen guten Newsreader auf ein Minimum: Er kombiniert die in RAR- und PAR-Dateien enthaltenen Daten automatisch zu einem kompletten Download und importiert auch NZBDateien. Kleinere Angebote wie Texte, Bilder oder Audiodateien liegen unzerstückelt vor und lassen sich ohne Umweg komplett laden.
Schrott, Viren und Illegales: Mit dem Usenet hat vor mehr als 15 Jahren etwas begonnen, was sich heute hochaktuell „Web 2.0“ nennt – zumindest in diesem Aspekt: Die Inhalte kommen von den Teilnehmern und werden nur in moderierten Gruppen mit unterschiedlicher Schärfe zensiert (gelöscht), in unmoderierten gar nicht. Folglich stehen hier wissenschaftliche Inhalte neben pornografischen, seriöse neben illegalen. Usenet- Konsumenten müssen daher mitunter mit irreführenden Bezeichnungen, mit Datenmüll oder auch Viren und Trojanern rechnen. Es empfiehlt sich, sofern vorhanden, vor dem Download die Kommentare zu lesen, ausführbare Downloads mit einem Scanner zu prüfen und sie in einem Konto mit eingeschränkten Benutzerrechten zu starten. Sie sollten sich dessen bewusst sein, dass Sie sich mit dem Download mancher Angebote strafbar machen könnten.
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